Marine Geophysik und Hydroakustik

Grand Banks Area, Neufundland

Zusammenfassung

Am 18.11.1929 erschütterte ein Erdbeben der Stärke M7.2 den Bereich des Laurentian Channels vor der Küste Neufundlands. Fast zeitgleich wurden 12 transatlantische Unterseekabel beschädigt; innerhalb von 2 Stunden wurde die Südküste Neufundlands von einem zerstörerischen Tsunami getroffen, der 28 Menschenleben forderte. Erst im Jahr 1952 wurde verstanden, dass ein Slump und/oder Turbiditstrom die Ursache für das sequentielle Brechen mehr der Unterseekabel und vermutlich auch für den Tsunami war. Das 1929 Grand Banks Ereignis ist von zentraler Bedeutung, da es die erste eindeutige Dokumentation eines rutschungsinduzierten Tsunamis ist. Das Gebiet wurde mit fortschreitender Messtechnik mehrfach untersucht. Eine große Abrisskante konnte bisher nicht identifiziert werden. Die Rutschung scheint nur flache Sedimente (5-100m) auf einer sehr großen Fläche betroffen zu haben. Um die Hypothese zu testen, dass eine flache aber räumlich ausgedehnte Rutschung den Tsunami ausgelöst hat, haben wir 1500 km hochauflösende seismische Daten in Verbindung mit einem engen Netz aus hydroakustischen Daten aufgezeichnet. Insgesamt wurden mittels Schwerelot 130 m Sediment an 30 Stationen gewonnen; Großkastengreifer wurden an 15 Stationen eingesetzt. 3 CPT-Profile (free-fall cone penetrating testing) wurden über Abrisskanten gesammelt.

morphology Grand Banks

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Daten im Bereich des Hangversagens zeigen zahlreiche kleinere Abrisskanten und junge Rutschungsablagerungen. Die bestehende Überdeckung mit bathymetrischen Daten wurde bis zur Schelfkante ausgeweitet, aber auch dort wurden keine größeren Abrisskanten identifiziert. Die kombinierte Analyse der existierenden und neuen Daten wird es ermöglichen, das Volumen des Rutschungsmaterials abzuschätzen, was ein wichtiger Input-Parameter für Tsunami-Modellierungen ist. Weiterhin wird es möglich sein, die Aktivität von listrischen Verwerfungen zu analysieren, die eine wichtige Rolle für die Dynamik des Hangversagens und damit auch für die Initiierung des Tsunamis haben können. Die Ablagerungen des Turbidites von 1929 wurden intensiv in einem komplexen Kanal-System unterhalb der Abrisskanten untersucht. Mittels mehrere Kernprofile werden wir die Konzentration und die Höhe des Turbiditstroms von Bypass-dominierten zu Ablagerungs-dominierten Gebieten rekonstruieren können. Grobe Kiese wurden noch bis zu 150 m oberhalb des Canyon-Bodens gefunden. Erste Abschätzungen deuten auf hohe Sedimentkonzentration im Turbiditstrom hin, der sich mehr als 1000 km ausgebreitet hat.

seismic at the Grand Banks area

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verantwortliche Personen: Katja Lindhorst und Sebastian Kastel

Forschungsfahrt:

  • FS Maria S. Merian - MSM47: Geomorphology, processes and geohazards of giant submarine landslides and tsunami generation capacity, as recorded in the sedimentary record of the only historic slide of this kind: the 1929 Grand Banks landslide of the Canadian Atlantic continental margin, September 30th - October 30th, 2015